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Entstehungsgeschichte

Nach jahrelanger Beschäftigung mit Hornlautsprechern in der Beschallungstechnik (Schwerpunkt Entwicklung massgeschneiderter Hornsysteme für Problemräume - siehe IMPRESSUM, CV UND REFERENZLISTE) entstand im Zuge erster privater Versuche mit Kleinleistungs-Röhrenverstärkern an Hifi-Lautsprechern die Idee das erworbene Wissen auch im Hifi-Bereich umzusetzen.

Eine kurze Marktanalyse zeigte erstaunlich wenig Innovationen! Vorherrschendes Konstruktionsprinzip bei Mittel-Hochtonhörnern waren Kugelwellen- und Radialhörner; im Bassbereich bunt kombiniert mit Backloadedhörnern oder Direktstrahlern, sehr selten mit frontgeladenen Basshörnern.

Im Gegensatz dazu war in der Beschallungstechnik - zumindest als Entwicklungsziel - konstante Richtwirkung (Constant Directivity, kurz: "CD") über einen möglichst weiten Frequenzbereich ein wesentliches Thema, wenngleich auch oft auf Kosten spektraler Verfärbungen.

Diese Verfärbungen zu eliminieren und den Übertragungsbereich von Hörnern auszuweiten ebenso wie - vor allem im Hochtonbereich - die CD Eigenschaften zu verbessern war mein Beitrag zur Weiterentwicklung der Beschallungstechnik, kombiniert mit (wie beständige Folgeaufträge zeigen) entsprechend hoher Kundenzufriedenheit.

Um nun mit vorhandenen 300B und 2A3 SE-Endstufen mehr Hörspass zu haben wurden folgende Ziele festgelegt:

1. Bestmögliche Annäherung an die Punktschallquelle - allerdings mit konstanter Richtwirkung - zumindest im Mitteltonbereich ("Räumlichkeit wie Kleinmonitor bzw. Breitbänder")

2. Gleiche Laufzeit und Polarität der Hornsysteme (s.Pkt.1)

3. Ausreichend Wirkungsgrad und linearer Impedanzgang (um nicht vom Ausgangswiderstand einer bestimmten Endstufe abhängig zu sein)

4. Ausgewogener Amplitudenfrequenzgang ohne "Hornverfärbungen"

Etwas technischer Hintergrund zum Thema Hornlautsprecher wird hier möglichst anschaulich beschrieben.

Da zum Optimieren und "rapid Prototyping" von Beschallungssystemen bereits eine passende CNC-Fräse sowie umfassende Literaturanalyse und Erfahrung vorhanden waren entstanden in den letzten 10 Jahren via Mundpropaganda über den Eigenbedarf hinaus einige "Custom made" Hornsyteme.

So sammelten sich Erfahrungen mit alten und neuen "State of the Art" Chassis aller Art; Treiber von Altec, Audax, B&C, Beyma, BMS, Celestion, Craaft, Ciare, Electro Voice, Eminence, Fertin, Fostex, Goto, Hokutone, JBL, P-Audio, Philips, PHY, RCF, Saba, TAD, Telefunken, Tannoy, University ebenso wie aus gängigen Hifi- und Studiolautsprechern reichlich bekannten Bauteile.

Typisch für diese Entwicklung "ins Blaue hinein" wurden die Konstruktionsziele fortlaufend weiter angepasst und mit den seit 1982 erworbenen Kenntnissen aus dem Bau von mehreren Hundert direktstrahlenden Hifi- und Studiomonitorlautsprechern sowie vielen Modifikationen an historischen und aktuellen Lautsprechermodellen vereint, so dass das Lastenheft für das Alphahorn wie folgt ergänzt wurde:

5. Flache Filterflanken zugunsten optimaler Homogenität des Klangbildes; minimale Bauteilanzahl der Frequenzweiche

6. Optimierung des Verhältnisses stehender zu bewegter Masse sowie - wenn möglich - Ausgleich der Antriebsimpulse der Tieftonmembranen

7. Wenn möglich Verwendung von Lautsprecherchassis aus aktueller (Gross)Serienfertigung um Liefer - und Toleranzproblemen vorzubeugen

8. Anpassbarkeit an den Rest der Wiedergabekette (Elektronik und Raum)

Diesen Zielen wurde wie folgt Rechnung getragen:

1. Mittel-Hochton (380 - 21000 Hz) wird von einem neu entwickelten CD-Horn abgestrahlt (aussergewöhnlich hohe CD-Bandbreite)

2. Sehr kurzes frontgeladenes Basshorn mit entsprechend grossem Anfangsquerschnitt ergibt eine tiefe Grenzfrequenz mit flachem Cutoff und ermöglicht sauberes Time-Alignment mit dem Mittel-Hochtonsysstem

3. Ist bei ausreichend grossem System durch den hohen Strahlungswiderstand der Hörner problemlos erfüllt (103 dB/W/m bei konstant 8 Ohm)

4. Der übliche Wechsel zwischen Netzwerksimulation (Frequenzweiche), Messtechnik und Hörtests wird durch das hohe Direkt- zu Diffusschallverhältnis der Hörner zu einem zeitraubend Prozess; wie sich herausstellt müssen alle Einzelteile der Weiche sorgfältig ausgesucht, eingespielt und wieder angepasst werden. Das Resultat ist ein Lautsprecher der vom kleinsten Vollverstärker bis zu beliebig teuren (nicht nur SE-) Röhrenverstärkern ein optimales Klangerlebnis ermöglicht

5. Die Hornsysteme werden nicht bis an ihre Grenzfrequenzen ausgenutzt um flache akustische Flanken zu ermöglichen; die Weiche korrigiert nur noch minimal

6. Das Basshorn besitzt einen Betonkern der die beiden gegeneinander orientierten 18-Zoll-Membranen koppelt, so dass keine Beschleunigungskräfte vom Gehäuse und der Umgebung aufgenommen werden müssen; die Geometrie der erforderlichen 90-Grad Umlenkung war Gegenstand langer CAD-Entwicklung und Versuchsaufbauten

7. Alle Treiber stammen aus europäischer Fertigung; dank derer Flexibilität sich auch die benötigten 16-Ohm Bässe fertigen lassen; die Toleranz liegt um eine Zehnerpotenz unter dem Niveau des heute verfügbaren (guten!) historischen Materials; Ersatzteile sind preiswert verfügbar

8. Präsenzbereich und Hochton lassen sich via Frequenzweiche sehr fein korrigieren

Design

Der CAD - Entwurf wurde zusammen mit kabru von studio d*luxe erstellt und in vielen Iterationsschritten optimiert.

Wie schon die kleine Einführung in Hornlautsprecher (s. Link weiter oben) zeigt, erfordert eine solche Konstruktion gewisse Mindestabmessungen. Da das Alphahorn als State of the Art - Produkt definiert ist werden diesbezüglich möglichst wenig Kompromisse eingegangen.

So haben wir uns entschieden den Lautsprecher als Skulptur zu bauen und nicht als Versuch die Grösse zu verstecken. Das Betahorn ist die "kleine" Schwester mit wesentlich dezenterem Auftreten (auch mit Stoff-Frontbespannung erhältlich).

Das Tieftonhorn ist breit und niedrig gehalten; dies sichert die bestmögliche Ankoppelung an den Fussboden (ermöglicht kleinere Mundfläche) und bleibt so selbst in Sitzposition unter der Blickhöhe.

Dadurch gelangt das Mittel-Hochtonsystem in die optimale (Ohr-)Höhe und ergibt ein Klangpanorama das einer realen Bühnensituation entspricht; durch die tiefe Trennfrequenz (380 Hz) und die flachen Filterflanken verschmelzen die beiden Mundöffnungen problemlos zu einer Gesamtquelle, so dass Phantomschallquellen vertikal stabil abgebildet werden.

Die Fertigung eines elliptischen Basshorns erwies sich als unnötig (und ist daher unwirtschaftlich); das Tieftonhorn weist keine parallelen Flächen und ein ähnliches Abstrahlverhalten wie das Mittelhochtonhorn auf.

Dank langer CAD-Iterationen ist es gelungen, die Abmessungen so klein wie möglich zu halten (der Lautsprecher passt so beim Transport in fast jeden Aufzug und durch alle Türen).

Das Grosssignalverhalten ist für einen Lautsprecher dieser Grössenordnung allerdings vermutlich einmalig - und zwar schon an einem 7 Watt Verstärker.

Details und Bilder entnehmen Sie bitte dem pdf-File; demnächst sollen Bilder und Messergebnisse den "trockenen" Text etwas auflockern. Achtung: die Wirkungsgradangabe im pdf ist nicht korrekt (richtig: 103 statt wie angegeben 104 db/W/m).

Fertigung und Lieferzeiten

Da wir jeden Lautsprecher für Sie individuell fertigen (die Auswahl umfasst beinahe zahllose Furnier- und Farbvarianten) wird die Fertigung erst nach Auftragserteilung begonnen. Ausreichende Trocknungszeit vor allem der Betonteile sichert die Langzeitqualität des Produktes und resultiert in einer Lieferzeit von rund 3 Monaten.

Die vorgefertigten CNC-Frästeile für das Basshorn (Birkensperrholz) werden in Wien von der Tischlerei Zendron (http://www.zendron.at) vakuumfurniert, die Betonkerne und das Mittelhochtonhorn lackiert und der Lautsprecher zusammengebaut.